Malta, Valletta & Co

Diesmal war Malta das Ziel meiner fotografischen Begierde. Eigentlich wollte ich die Insel heuer bereits im Mai besuchen und ich hatte schon einen Kontakt zu einer ganz tollen Frau welche ich zu dieser Zeit unheimlich gerne als Model vor meiner Kamera gehabt hätte. Jedoch hat mich justament ein hartnäckiger Virus befallen und meine Pläne durchkreuzt. Ich mußte leider Reise und Shooting absagen. Doch nun im September hat es geklappt, jedoch bin ich alleine unterwegs gewesen.

Der kleine Inselstaat hat sich ordentlich rausgeputzt und stand 2018 mit Valletta als Europas Kulturhauptstadt im Fokus. Die EU hat keine Mühen gescheut, das kleine Land mit Geld zu überschütten. Es blüht die Bauwirtschaft, die Korruption und der ungezügelte Tourismus. Mich hat eine romantische Vorstellung in das Land gezogen und ich habe viele kleine Abenteuer auf dem Sattel eines gemieteten Scooters erlebt. Der Linksverkehr war da die leichteste Challenge.

Das brennend aktuelle Thema Umweltschutz, CO2-Reduzierung, Müll, Wasserschutz, Landwirtschaft und Wald hat in diesem kleinen Land keinerlei Bedeutung. Der Müll ist gigantisch, es gibt keinen sauberen Quadratmeter mehr! Ich war zum ersten Mal mit dem unglaublichen Dreck aus den Rauchfängen der Kreuzfahrtschiffen konfrontiert, war meine Unterkunft auch recht nahe dem großen Hafen angesiedelt. Wenige Stunden nach der Ankunft machte meine Nase und Lunge zu und was immer man angriff, hinterließ einen schmierigen Film auf der Haut.

Über die Malteser zu schwärmen wäre übertrieben, dennoch hatte ich sehr freundliche und interessante Begegnungen. Der Olivenbauer der vor seinen dürren Bäumen stand, der achselzuckende Bauer vor seinem kargen Feld, der über die korrupte Regierung zornige Mann, die redsame und klöppelnde Frau im Museum, als auch der wartende Chauffeur eines Brautpaares. Sie und andere hatten einiges zu erzählen – aber keiner von ihnen war über die Zustände im Land zufrieden. Ganz anders natürlich sehen dies die Profiteure des gewachsenen mafiösen Systems in Malta. Sie sind superreich, lassen die vielen Asylanten im Land niedrigste Arbeit verrichten und verprostituieren das karge Land an die Touristen. In 10 Jahren – so erzählte man mir – sei Gozo verbaut. Die Nachfrage nach stylischen Häusern mit Pool und Aussicht aufs Meer boomen. Nicht nur für die Neureichen und Heimkehrern, nein – auch Airbnb hat hier eine gewisse Mitschuld.

Von der in den Reiseführern beschriebenen guten maltesischen Küche und den freundlichen Gastgebern sowie den Toprezensionen der angeblichen Spitzenlokalen kann ich nicht berichten. Hilfsköche die es nicht besser können und Hilfskellner die es nicht besser wollen. Sie sind eben zu verwöhnt von der Masse an Touristen welche eh nie ein zweites Mal vorbei schauen werden. Ich möchte es nicht Abzocke nennen, nein, es ist eher maximaler Ertrag aus minimalster Leistung zu erwirtschaften. Man fühlt sich nicht als Gast, doch Melkkuh trifft es ganz gut.

Asylanten trifft man an jeder Ecke im Land, ich hatte aber keine einzige negative Erfahrung auch wenn diese mal in Hundertschaften am Strand abhingen. Die Landbevölkerung ist mit diesen Zuständen total überfordert und sie schimpfen über die Regierung welche ein Vermögen damit verdient.

Malta ist in jeder Hinsicht eine Filmkulisse. Das vor Weltkulturerben strotzende Land war schon in vielen Blockbustern zu sehen. Ich frage mich dann nur, wohin sie die Unmengen an Autos verbringen welche jeden Quadratmeter der Straßen zupflastern. Dabei erreicht man auf der 27 Kilometer langen Insel mit dem Bus oder Scooter jeden noch so entfernten Punkt. Selbst die angeblich „stille Stadt“ Mdina (oder Rabat genannt) ist laut wie eine Raststation an der Autobahn. Autos, Autos, Autos. Könnte man damit in die Kirche fahren würden sie es tun.

Mein Resümee für dieses Land und seine Leute? Ich bin enttäuscht aber auch bereit, dem Land eine zweite Chance zu geben. Wenn ich wieder komme, dann aber unter anderen Voraussetzungen und Erwartungen. Eines weiß ich aber ganz genau: Malta wird kollabieren. Es kann jetzt schon nicht die eigenen Leute mit Nahrung und Wasser versorgen, das Land versinkt zu Land wie auch im Wasser im Müll, die Schere zwischen den Reichen und Armen ist unheimlich und der Mord an der kritisch berichtenden maltesischen Journalistin Daphne Caruana Galizia hält das kleine Volk unten. Man getraut sich nicht mehr offen zu reden, behauptet sogar das Internet und die Medien werden zensuriert.

Warum schreibe ich das alles eigentlich anstatt über meine gemachten Fotos zu erzählen? Weil ich es Alfons, dem Bauern ohne Schuhe, versprochen habe.